All on 4

Zahnimplantate nach dem All-on-4-Prinzip: längst nicht für alle Patienten geeignet

“Festsitzender Zahnersatz an einem Tag“, „sofortige Belastung“: Mit solchen Slogans werden zunehmend Implantologieverfahren beworben, die komplett oder überwiegend zahnlosen Patienten eine unkomplizierte, sichere und langfristig erfolgreiche Therapie versprechen. Schon vier Zahnimplantate in Ober- oder Unterkiefer sollen demnach als Basis für eine stabil sitzende prothetische Versorgung ausreichen. Doch ist die Methode wirklich für jeden Patienten geeignet?

In den ECDI Zentren stellen sich immer häufiger Patienten vor, bei denen das gewünschte Ergebnis mit derartigen Versorgungen nicht erreicht wurde und deshalb umfangreiche Neu- und Nachversorgungen erforderlich werden.

Die European Centers for Dental Implantology, ein internationaler Verbund erfahrener Implantologen, warnt vor übertriebenen Erwartungen an das All-on-4-Prinzip: Es lasse sich nur in sorgsam geprüften Einzelfällen anwenden und sei keinesfalls allgemeiner Standard. Vor allem erfordere die Methode eine ausgesprochen große implantatchirurgische, prothetische und zahntechnische Kompetenz. Eine standardisierte All-on-4-Versorgung, sozusagen aus der Schublade, kann fatale Folgen haben.

Die Empfehlungen der ECDI-Experten:

Die sofortige Versorgung des zahnlosen Kiefers mittels 4, 5 oder 6 Implantaten und festsitzendem sofortigem Zahnersatz kann nur erfolgen wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Dazu gehören von Seiten des Patienten:

  • ein guter allgemeiner Gesundheitszustand
  • eine hohe Hygienemotivation
  • eine gute Qualität des Kieferknochens
  • nur bedingt fortgeschrittener Abbau des zahnlosen oder wenig bezahnten Kieferknochens
  • eine gesunde und ausreichend feste Mundschleimhaut

Ideale Bedingungen seitens des behandelnden Teams sind gegeben, wenn:

  • erfahrene Implantologen (Kieferchirurgen, Fachzahnärzte für Oralchirurgie), Zahnärzte für Parodontologie und Prothetik sowie Zahntechniker und Prophylaxe-Assistenten eng miteinander kommunizieren und kooperieren.
  • die Einbettung in ein gut funktionierendes Netzwerk auf allen Behandlungsebenen von der Planung über die Chirurgie, die Erstellung der implantatgetragenen Prothetik und die engmaschige Nachsorge sichergestellt ist.

Sind alle dieser Vorgaben erfüllt, kann die Methode für Patienten am Übergang zur Zahnlosigkeit, für Angstpatienten sowie für Patienten mit extrem knappem Zeitbudget geeignet sein.