Parodontologie

„Parodontose“ wie vorbeugen?

Zunächst: Parodontose gibt es eigentlich gar nicht. Der immer noch gebräuchliche, aber veraltete Begriff beschreibt einen zunehmenden Knochenabbau mit fortschreitendem Zahnverlust ohne Entzündung. Eine Irreführung, da der Zahnfleischrückgang und Knochenverlust fast ausnahmslos entzündungsbedingt ist. Eine Verharmlosung, da zwischenzeitlich über 50 % aller Erwachsenen an Parodontitis leiden. Parodontitis ist eine Volkskrankheit, durch sie gehen mittlerweile weit mehr Zähne verloren, als durch Karies. Jeder Siebente leidet sogar unter einer schweren, aggressiven Verlaufsform der Parodontitis.

Das tükische: Parodontitis muss nicht weh tun. Schwellungen, Rötung und Zahnfleischbluten können ein Warnhinweis sein können aber – insbesondere bei Rauchern – auch fehlen. Durch die fortschreitende Entzündung bilden sich zwischen Zahn und Zahnfleisch sogenannte Taschen, in denen sich aggressive Bakterien ungehindert vermehren können. Häufig ist dies mit Mundgeruch verbunden. Das Zahnfleisch zieht sich zurück, die Zähne verlieren den Halt und fallen aus.

Es ist erwiesen, dass eine fortgeschrittene Parodontitis Folgeerkrankungen z.B. an Herz- und Blutgefäßen verursachen und damit zu einer dauerhaften Einschränkung der Leistungsfähigkeit führen kann.
Durch rechtzeitiges Eingreifen kann man vorbeugen, Zähne retten und gleichzeitig Allgemeinerkrankungen vermeiden

Behandlungsablauf

Die Anfälligkeit für Zahn- und Zahnfleischerkrankungen ist bei jedem Menschen unterschiedlich. So haben zum Beispiel Diabetiker, Menschen die besonderen Stress ausgesetzt sind und auch Raucher ein höheres Risiko an Parodontitis zu erkranken. Mit unseren modernen Untersuchungs- und Testverfahren können wir rasch und unkompliziert Ihr individuelles Parodontitis Risikoprofil ermitteln. Wir erstellen dann für Sie ein individuelles Prophylaxeprogramm und einen persönlichen Behandlungsplan.

Insbesondere für Patienten mit aggressiveren Verlaufsformen der Parodontitis ist die regelmäßige unterstützende Parodontaltherapie besonders wichtig. Zu oft wird vergessen das parodontale Infektionen einen Risikofaktor für Atherosklerose und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. Gerade vor Operationen raten wir daher jedem Patienten zu einem sorgfältigen Parodontitis-Screening.

Full Mouth Desinfection

Erfordern aggressive Verlaufsformen der Parodontitis eine rasche und umfassende Entfernung aller bösartigen Keime stehen uns in der Zahnklinik modernste Therapiemaßnahmen und Operationsbedingungen zur Verfügung. Die so genannte „Full Mouth Desinfektion“, die gleichzeitige Entfernung der Bakterien durch Reinigung aller Zahnfleischtaschen in intravenöser Allgemeinanästhesie ( „schmerzfreier Schlaf“ ) und unter gleichzeitiger Antibiotika-Gabe zählt dazu.

Durch die zeitgleiche Kombination dieser Maßnahmen können wir nicht nur eine rasche Ausheilung der Parodontitis erreichen. Häufig verschwindet auch der damit einhergehende Mundgeruch.

Wie immer gilt: je früher die Erkrankung diagnostiziert wird desto besser lässt sie sich behandeln.

So bleiben Ihnen viele unangenehme Sitzungen erspart.

Häufige Fragen & Antworten

Martin Voit, Zahnarzt beantwortet Ihre Fragen zum Thema: Parodontitis vorbeugen

Was ist eine Zahnfleischbehandlung?

Was ist Parodontitis? Blutendes Zahnfleisch und Mundgeruch sind oft die ersten Anzeichen einer Zahnfleischerkrankung. Die Parodontitis ist die Entzündung des Zahnhalte-Apparates. Am Beginn der Erkrankung stehen oft Ansammlungen von Zahnbelägen und Zahnstein, die zu einer Gingivitis = Entzündung des Zahnfleisches führen. Ursache ist eine große Menge von Bakterien, die das Zahnfleisch schädigen.

Was sind Zahnfleischtaschen?

Wird die Gingivitis nicht rechtzeitig behandelt, so greift die Entzündung vom Zahnfleisch auf den Zahnhalteapparat über und es bildet sich eine so genannte Parodontitis aus. Durch die Schädigung des Zahnhalteapparates löst sich das Zahnfleisch vom Zahn wodurch eine so genannte Zahnfleischtasche entsteht.

Was geschieht bei einer Parodontosebehandlung?

In den ersten Behandlungsabschnitten werden bei dem Patienten Zahnbeläge und Zahnstein gründlich entfernt – soweit es keine Schmerzen bereitet. Es werden mit ihm die für ihn wichtigen Mundhygienemaßnahmen besprochen, eingeübt und regelmäßig kontrolliert. Geeignete Zahnpflegemittel werden empfohlen.

Die zweite Phase der Behandlung, die Entfernung von Zahnstein und Belägen unterhalb des Zahnfleischniveaus, erfolgt anschließend entweder in Lokalanästhesie in der Regel in zwei Sitzungen oder in einer Behandlung in Allgemeinanästhesie als: Full Mouth Desinfection.

Hierbei werden Zahnfleischtaschen gründlich gereinigt, Entzündungen beseitigt und Irritationen des Zahnhalteapparates sowie der Gingiva entfernt.

Kann Parodontose Mundgeruch verursachen?

Mundgeruch lässt sich häufig schon durch ein individuelles Mundhygieneprogramm beseitigen. Die regelmäßige Entfernung von Zungenbelag gehört dazu. Zahnfleischentzündungen und eine fortgeschrittene Parodontitis sind oft für Mundgeruch verantwortlich. Durch die Parodontitis Behandlung und die regelmäßige professionelle Zahnreinigung lässt sich dieses Problem lösen.

Kann ich auch Parodontose haben, wenn mein Zahnfleisch gar nicht blutet?

Die als Parodontose oder besser als Parodontitis bezeichnete Erkrankung des Zahnbetts wird durch eine Entzündung verursacht. „Parodont“ bedeutet „um den Zahn herum“ und Entzündungen bezeichnet man in der Medizin mit der Endung „itis“. Diese verläuft in der Regel chronisch und schmerzfrei. Die Entzündung sitzt in der Tiefe einer sich über Jahre gebildeten Zahnfleischtasche. Deshalb muß das Zahnfleisch beim Zähneputzen auch nicht immer bluten. Die Entzündungen beginnen meist in den Zahnzwischenräumen, die bei der Reinigung schwer zugänglich sind. Daher werden diese von den meisten Menschen nicht oder nur sehr unregelmäßig gereinigt. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen des Zahnhalteapparates sind notwendig. So wird die Parodontitis rechtzeitig entdeckt und behandelt.

Meine Mutter hat Ihre Zähne früh verloren, kann ich Ihre Parodontose erben?

Seltene Formen der Parodontitis können schon im jugendlichen Alter beginnen und verursachen einen rapiden Verlust des zahntragenden Gewebes. Sie werden deshalb auch als aggressive Parodontitis bezeichnet. Eine Vererbung ist möglich, kann jedoch allein keine Erkrankung auslösen. Eine Entzündung wird immer durch Bakterien verursacht, die auf dem Zahn wie ein dünner Film liegen. Andere Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder eine familiäre Veranlagung beschleunigen deren Verlauf.

Werden lockere Zähne nach einer Zahnfleischbehandlung wieder fester?

Unbehandelt führt die schwere Parodontitis zum Zahnausfall. Zahnlockerung ist daher ein sehr ernstes Symptom einer fortgeschrittenen Zahnfleischentzündung. Unmittelbar nach einer Behandlung können die Zähne und Zahnimplantate sogar noch etwas lockerer werden, in manchen Fällen muss man sie dann schienen, um sie zu stabilisieren. Sind sie jedoch noch ausreichend tief im Knochen verankert, werden sie im Laufe der Zeit auch wieder deutlich fester.

Kann Ich etwas machen, wenn meine Zähne gelockert sind und bereits Kieferknochen fehlt?

Das hängt davon ab, in welchen Zustand sich der Kieferknochen befindet und muss für jeden einzelnen Zahn genau untersucht werden. Dann jedoch stehen uns heute eine Reihe sehr erfolgversprechender Methoden zur Verfügung, mit denen sehr gute Resultate erzielt werden können.

Mein Zahnfleisch ist an einigen Stellen so stark zurückgegangen, dass ich nicht mehr richtig lachen mag. Welche Möglichkeiten zur Behandlung gibt es?

In den meisten Fällen kann man durch kleine, chirurgische Eingriffe Zahnfleisch am Gaumen entnehmen und in den Bereich der Zahnhälse transplantieren. Durch diese sogenannte Rezessionsdeckung wird ein harmonischer Zahnfleischverlauf wiederhergestellt.

Ist eine Zahnfleischoperation sehr schmerzhaft?

Die Operation wird immer unter einer lokalen Betäubung durchgeführt, so dass der eigentliche Eingriff nicht weh tut. Für empfindliche Patienten oder bei größeren Eingriffen stehen andere, behutsame Anästhesie-Verfahren zur Verfügung.

Was muss ich nach einer Zahnfleischoperation beachten?

Damit das Gewebe gut heilen kann, wird nach dem Eingriff für max. eine Woche ein Verband getragen und man sollte sich etwas schonen. Sie können sich hier gerne unsere Verhaltensempfehlungen herunterladen. Die meisten Menschen berichten, dass sie nach Abklingen der Betäubungsspritze eine Schmerztablette eingenommen haben,auch um besser schlafen zu können, aber bereits am nächsten Tag keinerlei Beschwerden mehr hatten.

Ist die Professionelle Zahnreinigung schmerzhaft?

In der Regel nicht. Wir setzen moderne Methoden ein und es kommen Hilfsmittel ( Ultraschall, AirFlow ) zur Anwendung, die gleichzeitig schonend und effektiv sind.

Wie oft ist eine Professionelle Zahnreinigung notwendig?

Wir empfehlen Ihnen die PZR im Abstand von vier bis sechs Monaten in Anspruch zu nehmen, je nach individuellem Erkrankungsrisiko können auch kürzere Zeitintervalle erforderlich sein.

Werden meine Zähne heller nach der Professionellen Zahnreinigung?

Zahnbeläge und Zahnverfärbungen sind nicht nur ein optischer Makel, sondern haben durch ihre Rauhigkeit auch eine Anziehungskraft für Bakterien, die für Karies und Parodontitis verantwortlich sind. Sämtliche Verfärbungen werden durch die Zahnreinigung entfernt, möchten Sie Ihre Zähne um bis zu 4 Nuancen heller bekommen, empfehlen wir Ihnen unser zahnschonendes Bleaching.