Dr. Lothar Huck, unser Facharzt für Kieferorthopädie, beantwortet Ihre Fragen:
Gibt es Unterschiede in der Art der festen Zahnspange?
Heutzutage gibt es eine Vielzahl von festsitzenden Apparaturen (Brackets) die direkt auf den Zahnschmelz aufgeklebt werden. Neben den auch schon früher verwendeten konfektionierten Brackets, die für alle Patienten gleich sind, kommen heute immer mehr individuelle Apparaturen zum Einsatz. Brackets und Drahtbögen werden extra für den Patienten nach einer definierten Zielvorgabe angefertigt. Diese können innen - zur Zunge liegend- oder außen angebracht werden.
Verursacht eine feste Zahnspange Karies?
Durch das Aufkleben einer festsitzenden Apparatur werden den Kariesbakterien mehr Möglichkeiten gegeben haften zu bleiben. Dieses betrifft die innen liegende Klammer genauso wie die außen angebrachte Apparatur. Studien zeigen jedoch, dass die Kariesgefahr der innen befestigten Brackets geringer ist, da der Zunge eine Reinigungsfunktion zukommt. Bei Alignersystemen (Kunststoffschienen) ist das Risiko verschwindend gering.
Gibt es Alternativen zu Brackets?
Durch das Aufkleben von Brackets kann der Zahn nahezu dreidimensional bewegt werden. Dieses ist ein deutlicher Vorteil gegenüber den schon in der Vergangenheit verwendeten herausnehmbaren Zahnspangen aus Kunststoff und Draht. Somit ist das Ergebnis einer festen Klammer hochwertiger. Heute kann jedoch in den meisten Fällen mit Alignersystemen (Kunststoffschienen) ein gleichwertiges Ergebnis erzielt werden.
Bis zu welchem Alter sind bei Erwachsenen Korrekturen möglich?
Grundsätzlich können Zähne ein Leben lang bewegt werden. Voraussetzung ist allerdings ein gesundes Parodont (Zahnhalteapparat). Dann kann sogar im parodontal vorgeschädigten Gebiss kieferorthopädisch behandelt werden. Hierbei muss, wie in unserer Zahnklinik üblich, eine enge Kooperation mit dem parodontologisch tätigen Zahnarzt erfolgen.
In welchem Alter sollte man bei Kindern erstmals eine Bestandsaufnahme der Zahnstellungen und Kiefer-Beschaffenheit machen?
Im Regelfall sind Kinder bei ihrem Zahnarzt routinemäßig zur Kontrolle. Sollte dieser auffällige Kieferfehlstellungen bemerken, kann eine Vorstellung des Patienten auch schon im Milchgebiss angezeigt sein. Wegen der Notwendigkeit einer intensiven Mitarbeit des Patienten sollte die Behandlung jedoch nicht vor dem 4. Lebensjahr begonnen werden.
Welches Alter ist das Beste für Korrekturen bei Kindern?
In der 2. Wechselgebissphase (9. – 12. Lebensjahr) bestehen die günstigsten Aussichten für einen Behandlungserfolg. Das pubertäre Wachstum und die Möglichkeit der Steuerung des Zahndurchbruchs erleichtern dem Kieferorthopäden die Behandlung. Zudem ist in diesem Alter die Akzeptanz gegenüber kieferorthopädischen Apparaturen groß.
Die Zahnspange ist typisch für viele Teenager. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Erwachsene, ohne dass Familie und Geschäftspartner auf den ersten Blick Zeugen der Therapie werden?
Die meisten erwachsenen Patienten bevorzugen eine diskrete Behandlung mit möglichst unauffälligen Apparaturen. Mit Kunststoffschienen (Alignern: Invisalign) oder innen liegenden, festsitzenden Apparaturen (Lingualtechnik) kann heute in den meisten Fällen nahezu unsichtbar therapiert werden. Die Wahl der Behandlungstechnik ist abhängig von der zu lösenden Aufgabe und wird von unserem Kieferorthopäden individuell entwickelt.
Wie lange dauert eine kieferorthopädische Behandlung?
Die aktive Behandlungszeit ist abhängig von der zu lösenden Aufgabe und kann bei Erwachsenen nur vier Monate aber auch 18 Monaten betragen. Danach muss das Behandlungsergebnis noch stabilisiert werden (Retention).
Die Behandlung bei Kindern und Jugendlichen ist meist komplexer, da auch das Wachstum beeinflusst werden muss. Im Regelfall liegt die Behandlungszeit hier bei etwa drei Jahren. Dabei kommt eine Abfolge von verschiedenen Apparaturen zum Einsatz. Auch hierbei ist nach der aktiven Behandlung eine Retentionszeit erforderlich.
Wie funktionieren die Schienen genau?
Nach einem Abdruck und speziellen Röntgenuntersuchungen werden die so genannten „Aligner“ im Speziallabor aus einer dünnen transparenten Folie nach ärztlicher Vorgaben hergestellt. Die erste Schiene entspricht fast dem Ist-Zustand. Die letzte Schiene dem Ziel.
Mit jeder Schiene werden die Zähne dann um maximal einen viertel Millimeter bewegt. Danach kommt die nächste Schiene daran. Der Vorteil neben der „Unsichtbarkeit“: Die Schienen können zum Essen herausgenommen werden. Zähneputzen ist viel einfacher. Auch das Karies-Risiko ist gering.
Wie lange dauert eine Behandlung?
Je nach Ausgangsposition benötigen wir zwischen zehn und 50 Schienen – entsprechend einer Behandlungsdauer von sechs Monaten – vor allem bei ästhetischen Korrekturen - bis zu zwei Jahren bei ausgeprägteren Fehlstellungen.
Und wieviel muss ich die Schiene tragen?
Die Aligner sollten 22 Stunden pro Tag getragen werden, also rund um die Uhr bis auf das Zähneputzen, Essen und Trinken. Nach 14 Tagen setzten Sie die nächste Schiene ein.
Wieso können Erwachsene überhaupt behandelt werden?
Wunderbarerweise können Zähne ein ganzes Leben lang bewegt werden. Durch Druck baut sich dabei auf der einen Zahnseite Gewebe ab, während durch Zug auf der anderen Seite Gewebe aufgebaut wird. Beim Erwachsenen dauert das nur etwas länger als beim Kind.
Einzige Bedingung dafür: der so genannte Zahnhalteapparat – also Zahnfleisch und Kieferknochen – müssen gesund sein. Zahnbewegungen bei gleichzeitiger Entzündung des Zahnfleisches können einen Zahnverlust beschleunigen.
Was kostet die Behandlung?
Die kieferorthopädische Behandlung Erwachsener wird von den gesetzlichen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernommen. Normal liegen die Kosten zwischen 3000 - 4500 Euro. Aligner- und Lingualtechnik bei rund 5000 bzw. 7000 Euro.
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